Der Kreativität sind keine Grenzen gesetzt!

So unterschiedlich wie die Menschen sind, die bei uns ihr zu Hause gefunden haben, so unterschiedlich sind auch ihre Begabungen und Interessen.

Die Einen rätseln gerne, lesen oder schreiben Geschichten und Gedichte.

Andere wiederum lieben es, in der Gemeinschaft Lieder zum Besten zu geben, beim Gedächtnistraining ihr Wissen zu fördern und Reime zu vervollständigen. Kreativität wird bei uns im „Kleinen und Großen“ gefördert.

Da unsere Einrichtung im „Grünen“ liegt, sind hier viele Vögel unterwegs – bis vor anderthalb Jahren jedoch lediglich bei den Nachbarn, sehr zum Leidwesen unserer Betreuungskraft.

So machte sie eines schönen Tages einen Rundgang durch den Garten und stellte fest: „Es gibt nicht ein einziges Vogel- oder Futterhaus hier!“

So wurde die Idee geboren, hier Bewohner zu finden, die Lust haben, einen Teil ihrer Freizeit darin zu investieren, kreativ mit Holz zu arbeiten.

Sie musste gar nicht lange suchen und fragen, denn es gibt hier drei Herren, die sofort von der Idee begeistert waren und auch immer noch sind: Heinz, Hartmut und Franz.

Fleißig am Werkeln

Dürfen wir vorstellen, unsere drei Holzwürmer:

Heinz Ottens

Heinz ist 73 Jahre alt, lebt seit 5 Jahren bei uns und ist geistig und körperlich sehr agil. Als gelernter Industriekaufmann war er die letzten 40 Arbeitsjahre, bis zu seiner Rente, im Außendienst für eine Schweizer Stoffhandelsfirma tätig. Ein weitgereister und welterfahrener Mann also.

Seine beruflich bedingte Kontaktfreudigkeit und sein großes Interesse am Weltgeschehen lebt er auch hier noch aus.

Er ist der „Malermeister“ hier unter uns. Große Pinsel, viel Farbe und Heinz ist in seinem Element.

„Ich hätte nie gedacht, dass ich mal malern würde! Hätte mir das jemand früher gesagt, hätte ich gesagt, er spinne wohl.“

Bevor Heinz jedoch den Pinsel schwingt, achtet er akribisch darauf, dass er und seine Kleidung ausreichend vor Farbe geschützt sind; also bevor er nicht Kittel und Handschuhe trägt, passiert mal gar nichts!

Wenn die Betreuungskraft sich an ihm mal ein Beispiel nehmen würde… denn im Gegensatz zu Heinz hat sie jedes Mal irgendwo Farbkleckse an sich.

Hartmut Gander

Hartmut ist 64 Jahre alt, seit gut 4 Jahren einer unserer Bewohner und hat passenderweise 31 Jahre in einer Tischlerei gearbeitet.

„Holz ist ein lebendiges Material“ sagte er und er hat es immer schon geliebt, mit diesem Material zu arbeiten. Was für ein Glück für uns!

So war es nicht schwer ihn davon zu begeistern, ein wenig von seiner Zeit, zwischen Kreuzworträtsel lösen, Nachrichten schauen und Unterhaltungen mit seinem Zimmergenossen Heinz, in unsere „Truppe“ zu investieren.

Hartmut ist unser Multitalent. Anfangs erst nur ein wenig schleifen (darin ist er ein Meister) und malern, übernimmt er mittlerweile mannigfaltige Aufgaben: Entwürfe zeichnen, Leisten auf Gärung sägen, feilen, schleifen, pinseln, leimen und zusammenschrauben.

Hartmut steckt voller Ideen, welche er gerne mit der Betreuungskraft diskutiert.

Zudem hat er gelernt, dass auch die Farbe Rosa mit ein wenig Glitzer ihren Reiz hat ;-).

Aber auch die Betreuungskraft lernt von ihm. Zum Beispiel, dass man sich nicht zwingend jedes Mal einen Holzsplitter zuziehen muss, so wie sie. Nun gut, er ist ja auch ein Meister seines Faches.

Franz Leppek

Franz ist unter den Werkenden mit 64 Jahren der Jüngste in der Runde. Er bereichert unsere Einrichtung seit gut 1,5 Jahren.

Als gelernter Koch ist ihm Kreativität nicht fremd und er war sofort sehr angetan von der Idee, u.a. Vogelhäuser zu bauen.

Franz hört für sein Leben gern Musik – sein Ghettoblaster sucht seinesgleichen!

Wenn Franz hier seine Runden dreht, kann man davon ausgehen, dass er Kopfhörer trägt und seine Ohren mit Rockmusik beschallt werden.

In unserer Runde ist Franz derjenige, der mit großer Sorgfalt schleift und anstreicht. Er hat dabei die Ruhe weg. (Wo wir mal wieder bei der Betreuungskraft wären, die von dieser Ruhe auch gerne manchmal ein wenig hätte).

„Du, wann machen wir denn weiter?“ oder „Was machen wir als Nächstes?“ sind häufig gestellte Fragen von Franz.  So sieht wohl Begeisterung aus.

Besonders freut er sich, wenn die fertigen Objekte endlich im Garten stehen und wir unseren Nachbarn einen Teil der Vogelschar abspenstig machen können.

Zuerst wurden die Holzarbeiten in unserem Betreuungsraum verrichtet, sehr zur Freude anderer Mitbewohner, die häufig mal dazu kommen, um zu schauen, Fragen zu stellen, in Begeisterung ausbrechen (was natürlich, ohne es zugeben zu wollen, mit das Größte ist) und natürlich auch gute Ratschläge zu verteilen.

Auch das Personal geizt nicht mit Lob und Bewunderung, dieses tut den Bewohnern gut und automatisch gehen sie etwas aufrechter.

Dass Kreativität hier weit verbreitet ist, zeigt sich in dem liebevollen Namen, den eine Mitarbeiterin uns gab und den wir sehr gerne übernommen haben:

„Die Wiesentaler Holzwürmer“

Dieser Name ziert nun auch das Holzhäuschen in unserem Garten, welches uns nun als Werkstatt zur Verfügung gestellt wurde.

Unsere Hausmeister sind mittlerweile unsere besten Freunde, da sie uns (fast) ohne müde zu werden, mit der Beschaffung von Material und Werkzeug unterstützen.

Heinz, Hartmut und Franz sind sich einig, dass diese Beschäftigung in der Gemeinschaft, eine Bereicherung ihres Alltags ist. Sie alle genießen die Abwechslung, das kreativ sinnvolle und das erlernen neuer Fähigkeiten.

Aber auch nach der Fertigstellung unserer Vogelhäuser, gibt es hier Bewohner, die eine sinnvolle und verantwortungsvolle Aufgabe übernommen haben.

Wie unser Eddie. Er ist nicht nur unser pflichtbewusster, engagierter und ich möchte fast sagen, staatlich geprüfter Blumengießer, nein, mittlerweile ist er zudem noch unser „Vogelfutterbeauftragter“.

Täglich wird genauestens geschaut und darauf geachtet, ob noch ausreichend Vogelfutter überall vorhanden ist (man will ja die neu gewonnenen Freunde nicht gleich wieder vergraulen).

Sollte es langsam leer werden an den Futterplätzen, schreitet Eddie sogleich zur Tat, macht Meldung bei der Betreuungskraft und trägt Sorge dafür, dass draußen wieder alle Vögel satt werden.

Eduard Böhm, genannt Eddie

Zu guter Letzt noch die Vorstellung einiger Projekte, die seitens der Bewohner gefertigt wurden: